Braucht der Elbtower ein Naturkundemuseum, um eine Zukunft zu haben? Wir finden: Ein Museum kann ein wertvoller Teil der Lösung sein. Die Perspektive für den vorhandenen Rohbau sollte aber nicht allein von dieser Entscheidung abhängen.
Hamburg muss sich nicht zwischen einem Museumsturm und einer dauerhaften Bauruine entscheiden. Tower to the People schlägt vor, das Vorhandene zum Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung zu machen.
100 Meter reichen. Entscheidend ist, was darin entsteht.
Unser Vorschlag ist, den vorhandenen Elbtower-Rohbau auf seiner heutigen Höhe von rund 100 Metern fertigzustellen: das Tragwerk erhalten, nicht weiter aufstocken und den Ausbau an den tatsächlichen Nutzungen ausrichten.
Eine neu geplante, einfachere Gebäudehülle und ein schrittweiser, zirkulärer Ausbau sollen dazu beitragen, den Investitionsbedarf zu begrenzen. Ob und in welchem Umfang dies möglich ist, muss durch technische Planung und belastbare Kostenvergleiche geprüft werden.
Für uns steht nicht die Frage im Mittelpunkt, wie hoch der Turm werden kann. Sondern, welchen Nutzen er für Hamburg schaffen soll.
Ein Next Economy Hub statt bloßer Flächenvermietung
Wir wollen einen Ort entwickeln, an dem Wissenschaft, Start-ups, Unternehmen und Kreativwirtschaft gemeinsam Lösungen erproben, produzieren und in den Markt bringen.
Geteilte Werkstätten und Labore, Arbeitsräume, Bildungsangebote und öffentlich zugängliche Bereiche sollen diese Zusammenarbeit ermöglichen. Kreislaufwirtschaft wäre hier nicht nur ein Veranstaltungsthema, sondern Teil des täglichen Arbeitens: Vorhandenes weiterverwenden, Materialien im Kreislauf halten und neue Geschäftsmodelle praktisch erproben.
Ein öffentliches „Wohnzimmer für Hamburg“ gehört zu dieser Idee – ein Ort für Begegnung, Lernen und gemeinsames Machen, auch ohne Konsumzwang. Eine geplante Genossenschaft soll Beteiligung und Mitbestimmung ermöglichen.
Mit Museum: Bildung und Zusammenarbeit verbinden
Ein Naturkundemuseum könnte diesen Ort um eine wichtige Perspektive ergänzen. Naturkunde, urbane Biodiversität und zirkuläres Wirtschaften bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Bildung und Austausch.
So ließe sich nicht nur vermitteln, wie natürliche Kreisläufe funktionieren, sondern auch zeigen, wie Wirtschaft und Stadtgesellschaft daraus lernen können.
Ein Museum wäre dabei ein eigenständiger Nutzungsbaustein. Seine Anforderungen an Flächen, Ausbau, Betrieb und Finanzierung müssten gesondert geplant und mit dem Gesamtkonzept abgestimmt werden.
Ohne Museum: Die Idee bleibt bestehen
Auch ohne Museum wollen wir eine Perspektive für den gesamten vorhandenen Rohbau entwickeln. Zusätzliche Flächen könnten beispielsweise für Forschung, Werkstätten, zirkuläre Produktion, Wiederverwendung, Bildung und öffentliche Angebote genutzt werden.
Das ist kein einfacher Austausch eines Nutzers gegen einen anderen. Eine Variante ohne Museum braucht eine eigene Nachfrage-, Betriebs- und Finanzierungsplanung. Welche Nutzungen in welchem Umfang tragfähig sind, muss ebenso sorgfältig geprüft werden wie in einer Variante mit Museum.
Das öffentliche Wohnzimmer und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft bleiben in beiden Varianten zentrale Bestandteile unserer Idee.
Eine Alternative prüfen, keine fertige Lösung behaupten
Unser Konzept ist ein Vorschlag, keine bereits gesicherte Umsetzung. Erwerb, Finanzierung und Genehmigungen sind nicht abgeschlossen. Auch bei rund 100 Metern bleiben die technischen und rechtlichen Anforderungen an ein Hochhaus bestehen.
Deshalb setzen wir auf eine strukturierte Prüfung: Was lässt der Bestand zu? Welche Nutzungen werden tatsächlich nachgefragt? Welche Kosten entstehen für Fertigstellung und Betrieb? Und wie lassen sich wirtschaftliche Tragfähigkeit und öffentlicher Mehrwert miteinander verbinden?
Wir wollen diese Fragen transparent beantworten – nicht durch Versprechen ersetzen.
Nicht nur über Höhe sprechen, sondern über Nutzen
Mit Naturkundemuseum? Gerne. Ohne Museum? Ebenfalls eine Variante, die wir prüfen wollen.
Entscheidend ist für uns, was der Elbtower für Hamburg leisten kann: als produktiver Ort, als Raum für Zusammenarbeit und als Beispiel für einen verantwortlichen Umgang mit bereits gebauten Ressourcen.
Nicht höher. Sondern sinnvoller.